Donnerstag, 18 Mai 2017 09:09

Was tun bei Wildunfällen?

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Was tun bei Wildunfällen Was tun bei Wildunfällen fotolia©costadelsol

Die Art und Weise, wie man selbst oder auch nur das Auto zu Schaden kommen kann, ist groß. Wussten Sie, dass der klassische Wildunfall noch immer eine der Hauptunfallursachen ist? Alle 2,5 Minuten passiert im Schnitt eine Kollision mit einem Wildtier oder ein durch ein Wildtier bedingter Unfall. Auf jeden Fall gibt es bestimmte Verhaltensregeln, die Sie einhalten sollten, wenn es Sie erwischt hat.

Wann und wo finden die meisten Wildunfälle statt? Wild hat oft ganz bestimmte Pfade, von denen es nicht abweicht. Auch über Generationen bleiben bestimmte Laufwege erhalten. Diese bekannten Wege sind mit Warnschildern gekennzeichnet. Potentiell gefährlich sind natürlich alle Gebiete mit Waldbeteiligung. Auch in der Brunftzeit ist vermehrt mit Wildwechsel zu rechnen. Die ist alllerdings von Tier zu Tier unterschiedlich; Schwarzwild (Wildschweine) paart sich zwischen November und Februar, Rehwild - mit dem die meisten Unfälle mit größeren Schäden passieren- zwischen Juli und August. Gefahrenpunkte sind auch die Morgen- sowie Abenddämmerung, in der das Wild besonders häufig unterwegs ist, sowie die dunklen Jahreszeiten (Herbst und Winter außerhalb des Tages). 

Grundsätzlich sollten Sie in den gefährdeten Gebieten immer mit angepasster Geschwindigkeit fahren, auch wenn außerhalb einer geschlossenen Ortschaft 100 km/h erlaubt sind. Sie erinnern sich an die Bremswegformel? Bei Tempo 100 beträgt der Bremsweg genau diese 100 Meter - zu viel, wenn das Wild urplötzlich aus dem Unterholz bricht und die Straße überqueren möchte. Bei Tempo 80 sind es immerhin noch über 60 Meter Bremsweg. Wenn Sie Wild am Wald- oder Straßenrand entdecken, sollten Sie vorsorglich abbremsen (natürlich, ohne den vielleicht hinter Ihnen Fahrenden zu gefährden) und es gegebenenfalls mit der Hupe verscheuchen. Stellen Sie in jedem Fall, sofern betätigt, das Fernlicht aus, da sich das Wild durch die blendene Lichtquelle überhaupt nicht orientieren kann und im schlimmsten Fall statt zurück in den Wald genau auf die Fahrbahn läuft.   

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es natürlich trotzdem zum Unfall kommen. Was tun, wenn das Wild vollkommen unvermutet vor Ihnen auftaucht und sich eine Kollision nicht vermeiden lässt? Am wichtigsten: Widerstehen Sie dem Reflex, auszuweichen! Wald bedeutet auch immer Bäume, selbst an Landstraßen, die sich zwischen Feldern/Wiesen befinden, stehen viele davon am Rand. Der Unfall mit und an einem Baum wird definitiv weniger glimpflich ausfallen als selbst der mit einem Reh, so Leid es Ihnen auch tun mag. Nicht immer wird das Tier dabei sofort getötet und liegt auf der Straße oder am Straßenrand; es befindet sich in einem Schockzustand und ist dadurch oft durchaus noch in der Lage, sich zurück in den Schutz des Waldes zu bewegen. Auch Tiere, die schwer verletzt auf der Fahrbahn liegen bleiben, sind wegen ihrer Panik vor dem ihm fremden Menschen durchaus noch in der Lage, auszuschlagen - und Sie dabei zu verletzen. Halten Sie also im Fall eines unvermutet auftauchenden Tieres das Lenkrad fest im Griff und leiten eine kontrollierte Vollbremsung ein, ohne dem Tier auszuweichen. Nicht nur am Rand stehende Bäume, auch entgegenkommende andere Verkehrsteilnehmer wären die deutlich schlechtere Option.

Wenn es zum Zusammenstoß gekommen ist, sollten Sie in jedem Fall die Polizei verständigen und einen Wildunfall melden. Erstens sind nicht immer entstandene Schäden, z. B. bei einem Wildunfall mit Kleinwild wie Kaninchen, Hasen usw., sofort erkennbar. Eine Schadensregulierung ist in der Regel, zumindest bei Teilkaskoversicherungen, nur mit entsprechender Dokumentation möglich. Zweitens zählt ein Sichentfernen vom Unfallort zwar nicht als Fahrerflucht, sofern kein anderes Fahrzeug betroffen oder öffentliches Eigentum beschädigt worden ist; aber falls das Tier noch am Leben sein sollte, verstoßen Sie gegen das Tierschutzgesetz und machen sich mit dem Verlassen des Unfallorts strafbar. Das gilt im übrigen ebenfalls, wenn sich ein höchstwahrscheinlich schwer verletztes Tier in das Unterholz zurückschleppt. Wenn Sie also nach einem Wildunfall weiterfahren, später feststellen, dass es doch Schäden gab, den Unfall nachträglich melden oder bei der Versicherung einreichen, riskieren Sie eine Anzeige - weil Sie das Tier wissentlich seinem Schicksal überlassen haben.

Die hinzugerufene Polizei wird also in jedem Fall den für das Unfallgebiet zuständigen Jagdpächter alarmieren. Dieser kümmert sich um das Tier - ein schwer verletztes Tier wird er von unnötigem Leiden erlösen und sich auch generell um den Tierkörper kümmern oder dies mit dem Straßenamt abstimmen. Die Polizei wird in der Regel eine gebührenpflichtige Wildunfallbescheinigung ausstellen, dies kann der zuständige Jagdpächter oder Förster ebenfalls. Aus versicherungstechischen Gründen werden Sie diese auch benötigen.

Es ist im übrigen nicht erlaubt, ein bei einem Wildunfall getötetes Tier mitzunehmen. Dies würde den Straftatbestand der Wilderei erfüllen. Außerdem könnte das Tier an einer auf den Menschen übertragbaren schweren Krankheit - z.B. Tollwut - leiden. Es gibt also einiges zu beachten. Ob und in welcher Höhe Ihre Versicherung die Schäden reguliert, hängt dann noch von vielen anderen Faktoren ab. Also denken Sie daran, immer die Polizei zu benachrichtigen, wenn es zu einem Unfall mit unmittelbaren Beteiligung des Tieres gekommen ist. Bei einem Unfall, der durch Wildwechsel ohne direkte Beteiligung des Tieres passiert ist, wird es mit der Beweispflicht jedoch schwer.

Gelesen 701 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 18 Mai 2017 13:16

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