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Freitag, 05 Mai 2017 09:34

Rücksichtnahme, die Zweite....

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Rücksichtnahme, die Zweite.... Rücksichtnahme, die Zweite.... fotolia©Kara

Der Mai ist gekommen..... nur die Sonne lässt noch ein bisschen auf sich warten. Trotzdem sind jetzt kein Schnee und Eis mehr zu erwarten, so dass die Zweiradfahrer verstärkt unterwegs sind, wie schon im letzten Blog geschrieben. Das Thema ist eigentlich unerschöpflich, es gibt viele Hin und Hers, aber letztendlich wollen wir ja alle heil von A nach B kommen, und da lohnt sich einmal der Blick über den Tellerrand.

Noch einmal kurz zur Erinnerung: Die Statistiken weisen seit 3 Jahren wieder eine kontinuierlich steigende Anzahl von Unfällen mit Beteiligung von Motorradfahrern aus. Tendenz weiter steigend. Dass wir uns nicht mehr Anfang der 90er-Jahre befinden, spielt dabei eine große Rolle. Der Mauerfall und die komplette Öffnung des "Ostblocks" haben für eine erhebliche Mehrbelastung auf bundesdeutschen Straßen gesorgt; aber auch in Deutschland geht der Trend nicht nur zum Zweit-, sondern mitunter sogar Drittauto für den geschätzten Nachwuchs. Auch wenn der Straßenausbau, insbesondere der von Autobahnen, immer weiter vorangetrieben wird - das Verkehrsaufkommen ist extrem, der Zustand unserer Straßen zum Teil unbefriedigend, und es kann sich jeder an zwei Fingern ausrechnen, dass immer mehr Verkehrsteilnehmer zwangsläufig auch immer mehr Unfälle bedeuten. Viele Motorradunfälle sind durch eigene Unachtsamkeit, drastisch überhöhte Geschwindigkeiten, Übermut, Selbstüberschätzung verursacht. Ein Motorrad beschleunigt viel schneller, ist wendiger als ein PKW oder sogar Bus oder LKW; und vielleicht kommt auch tendenziell hinzu, dass viele, die ein Zweikraftrad fahren, generell dieses Feeling von Freiheit, Unabhängigkeit und Dynamik lieben. Der plötzlich in einer Kurve liegende Rollsplitt oder Sand kann da schnell zum Verhängnis werden. Jetzt kommt das große Aber: über 70% der Motorradunfälle mit Beteiligung anderer Fortbewegungsmittel werden von diesen und NICHT vom Motorradfahrer verursacht.

Anlass genug, einmal darüber nachzudenken, warum Motorradfahrer mitunter Dinge tun, die ein PKW-Lenker manchmal nicht versteht oder im schlimmsten Fall sogar bewusst boykottiert, hintertreibt oder zumindest verärgert registriert. Fangen wir einmal mit dem an, was uns in den kommenden Sommerferien -und nicht nur da- bevorsteht: endlose Autokolonnen, Stillstand auf der Autobahn. Und ab und zu mogelt sich ein Motorradfahrer zwischen den Autoschlangen hindurch (was er laut StVO eigentlich auch nicht darf). Die Motive mögen unterschiedlich sein, aber so mancher Autofahrer schließt die Tür, indem er sein Fahrzeug nach innen zieht und dem Motorradfahrer damit ein Weiterkommen unmöglich macht oder ihn vielleicht sogar zum Umkippen bringt. Vielleicht tut der Autofahrer das nur, weil er durch das Umplatzieren seines Wagens eine bessere Sicht auf das haben möchte, was weiter vor ihm passiert - dann sollte er aber immer daran denken, seine Rück- und Außenspiegel zu benutzen und zu schauen, ob da evtl. ein Zweirad naht. Wenn das "Zumachen" sogar bewusst passiert, mache sich der Fahrer bitte klar, dass es durchaus Gründe für Biker gibt, sich nicht in den Stau einzureihen, sondern in Bewegung zu bleiben. Man kann dafür vielleicht sogar ein Gleichnis benutzen: die Klimaanlage im Auto ist ausgefallen, draußen sind 35°C (ja, soll auch bei uns im Norden vorkommen), im Auto daher deutlich mehr, das Wasser läuft das Gesicht herunter, und man möchte bei offenem Fenster wenigstens Abkühlung durch Fahrtwind erlangen. Geht logischerweise nur in Bewegung. So ähnlich geht es dem Motorradfahrer. Ohne die schützende Blechkarosse sind er und seine Maschine den Witterungen ständig ausgesetzt. Unter Helm und Leder-Schutzkleidung ist es ohnehin schon viel wärmer als selbst im nicht klimaanlagenunterstützten Autoinnenraum, und kann der Biker nicht fahren, kommen die Temperaturen, die der Asphalt und der Motor abstrahlen, hinzu. Außerdem gibt es bei älteren Maschinen noch immer Motoren, die fahrtwindgekühlt arbeiten, sich also bei Stillstand ohne weitere technische Unterstützung enorm weiter aufheizen. Auch, wenn das Überholen von Autoschlangen durch Motorräder nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, sollte man den Zweiradfahrer bitte ohne böse Gedanken durchlassen - er will uns nicht ärgern! Den Motorradfahrern sei aber genauso ans Herz gelegt, sich dabei nicht mit hoher Geschwindigkeit zwischen den Reihen zu bewegen. Das rechte Maß ist wie so oft die Lösung. Abgesehen davon: Es kostet den Autofahrer im Stau keine Minute mehr, die Gasse ein wenig offen zu lassen. Das Ziel erreicht er trotzdem nicht schneller, wenn er verbissen auf sein Recht pocht. 

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass mancher Biker vor Kreuzungen oder Ampeln Schlangenlinien fährt? Vielleicht ist ab und an Gevatter Alkohol Schuld, meist hat es andere Gründe. Zum Beispiel, weil er erst vor kurzem gestartet ist, die Reifen noch nicht warmgefahren sind und somit den in Kurven nötigen Grip noch nicht haben. Durchs Schlangenlinienfahren kann er diesen bekommen. Manchmal hat dies auch Sicherheitsgründe. Das Zufahren auf eine Kreuzung bedeutet immer potentiell Gefahr, und der Zweiradfahrer wird generell schlechter gesehen und erkannt als ein PKW. Durch die Pendelbewegungen macht er aber auf sich aufmerksam und wird wesentlich besser wahrgenommen, da er nicht als schmale Silhouette daherkommt wie in normaler Fahrt. Denn diese wird dem Biker so oft im Gegenverkehr zum Verhängnis! Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, dass er ungeduldig den langsamen LKW vor sich überholen will und dabei das entgegenkommende Motorrad fast übersehen hat? 

Dieser Blog soll keinerlei Wertung über Schuld und Unschuld sein; Raser und damit andere Verkehrsteilnehmer gefährdende Fahrer gibt es auf beiden Seiten. Es bleibt der Appell, rücksichtsvoll, den Situationen angepasst, aufmerksam und nicht mit Ellenbogenmentalität zu fahren. Es stehen schon genug Kreuze als Mahnung am Straßenrand. In diesem Sinn Augen auf und Gehirn an!  

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